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Deflation und Inflation — was ist das?

Deflation und Inflation — was ist das?

Unter Deflation (von lateinisch deflatio = „Abschwellen“) versteht man die Erhöhung des realen Wertes des Geldes und die Preissenkung für Waren. Es handelt sich also um das Gegenstück zur Inflation.

Was wird unter Deflation verstanden?

Die Deflation ist das Gegenteil der Inflation. Dieser Begriff stammt vom lateinischen Wort „deflatio“ (Abschwellen) und bedeutet die Steigerung des realen Wertes des Geldes und Preissenkung für Waren. Wenn die Folgen der hohen Inflation zuerst durch die Bevölkerung gespürt sind, beeinträchtigt die Deflation zuerst Betriebe und Banken und erst dann die einfachen Bürger. In der Marktwirtschaft gilt es, dass die Deflation eine gefährlichere Drohung als die hohe Inflation ist. Das ist nicht immer, aber in den meisten Fällen so.

Welche Deflation ist für die Wirtschaft nicht gefährlich?

Wenn die Erhöhung der Kaufkraft durch allgemeines Wirtschaftswachstum, Effizienzsteigerung von Geschäftsprozessen in Unternehmen und Stärkung deren Wettbewerbsfähigkeit bedingt ist, ist das ein positiver Faktor. Der Wohlstand der Bevölkerung wächst, und die Leute kaufen mehr Waren für dasselbe Geld.

Warum entsteht die Deflation?

Es gibt vier Hauptgründe für Entstehung der Deflationsprozesse in der Wirtschaft. Dazu gehören:

1. Anstieg der Geldnachfrage (sowohl Bar-, als auch Buchgeld).

Derartige Situation entsteht, wenn die Stabilität und Voraussehbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung bei der Bevölkerung den Wunsch wecken, ihre Ersparnisse zu erhöhen. Egal, ob die Menschen ihr Geld zur Bank bringen oder zu Hause aufbewahren. In den beiden Fällen wird die Geldmenge aus der Wirtschaft ausgewaschen, was den Wert des Geldes erhöht und den Wert der Waren verringert (die Einkäufe werden auf die lange Bank geschoben). Als Folge sinken die Preise, die Hersteller reduzieren die Preise für ihre Waren, um die Kaufaktivität und Nachfrage zu erhöhen. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Geldnachfrage ist die sogenannte Blase, wohin flüssige Finanzmittel der Bürger und Unternehmen fließen. Das kann eine Spekulations- oder Währungsblase (wenn zwei Währungen in einem Land im Freiverkehr sind, ist es günstiger, Geld in eine davon anzulegen, weswegen die andere Währung im Defizit ist) sein.

2. Kreditkürzung.

Die Abnahme des Geldvolumens, das die Banken in Form von Krediten bereitstellen, führt auch zur Schrumpfung der umlaufenden Geldmenge. Das Verhalten des Banksektors wird durch Wirtschaftsbedingungen oder staatliche Restriktionen bedingt. Im ersten Fall bei der Null liegenden oder negativen Inflationsrate sinken die Zinssätze, die Kreditgewährung wird nicht mehr zum gewinnbringenden Geschäft sein. Im zweiten Fall kann der Versuch des Staates, die Kreditgewährung für Einkäufe wie z.B. Immobilien in einer Zeit hoher Preise einzuschränken, zum Zusammenbruch der Branche und somit zu den schwerwiegenden Folgen für die gesamte Wirtschaft führen.

3. Produktionssteigerung, die durch die Nachfrage nicht gesichert ist.

Ein klassisches Beispiel dafür ist die Überproduktionskrise. Es werden immer mehr Waren produziert, aber die Bevölkerung kauft sie nicht, weil sie die Strategie des Sparens bevorzugt. Deshalb wächst die Geldmenge nicht. Wenn die Bankkreditierung dabei gekürzt wird, verschlechtert sich die Situation noch mehr. Die Preise beginnen zu sinken, anstatt der Inflation tritt die Deflation ein.

4. Unnötige staatliche Regelung der Geldmenge in der Wirtschaft.

Die Maßnahmen zur Inflationsdämpfung sind nur dann gut, wenn sie sinnvoll sind und unter Kontrolle stehen. Die zu starke „Einspannung“ der Geldmenge, zu starke Erhöhung oder Senkung des Leitzinses können zu Deflationsprozessen führen.

Die oben genannten Gründe können sowohl zusammen als auch getrennt abhängig von der wirtschaftlichen Situation im jeweiligen Land eintreten.

Welche negativen Auswirkungen hat die Deflation?

Die Folgen der Deflationsprozesse (wenn die Deflation nicht auf die Wirtschaftsentwicklung, sondern auf wirtschaftliche Verwerfungen zurückzuziehen ist) sind ziemlich schwerwiegend. Darunter kann man folgende Probleme nennen:

1. Deflationsspirale. Bei der Preissenkung, unter den Bedingungen der einsparenden Verhaltensweise der Bevölkerung tritt die proportionale Belebung der Nachfrage nicht ein. Dagegen verringert sich der Gewinn von Unternehmen, was zum Stoppen der Entwicklungsprogramme und zum Personalabbau sowie zur Einkommensminderung der gebliebenen Mitarbeiter führt. Als Folge sinkt die Nachfrage weiter, die Deflation verstärkt sich. Dieser Vorgang wiederholt sich spiralartig, und die Situation verschlechtert sich mit jeder Spiralwindung. Der ähnliche Effekt entsteht auch im Bereich des Geldumlaufs, wenn viele Banken ihre Arbeit einstellen und die Bevölkerung kein Vertrauen zu den gebliebenen Banken mehr hat. In diesem Fall bewahren die Leute ihr Geld zu Hause auf, der Deflationsprozess steigt an und entzieht der Wirtschaft die Mittel zum Wachstum.

2. Abstellung der Produktionsentwicklung. Wenn sich der Gewinn infolge der Preissenkung und des Nachfragerückgangs mindert, können die Eigentümer von Unternehmen ihre Kosten nur auf ein bestimmtes Maß reduzieren: Es ist z.B. nicht möglich, die Löhne um ein Vielfaches zu senken. Dadurch entstehen Verluste, man muss das Personal abbauen (dieser Prozess ist auch begrenzt) und die Akten über Entwicklungsprogramme schließen.

3. Rückgang des Kreditvolumens. Wenn der Wert des auf Kredit genommenen Geldes geringer als der des Geldes, das zurückgezahlt werden soll, ist, lohnt es sich nicht, einen Kredit zu nehmen. Bei der Deflation, die mit der Einkommensminderung von Bevölkerung und Unternehmen einhergeht, liegt die Kreditgewährung brach.

Es sieht so aus, dass die Gründe und Folgen der Deflation gegenseitig bedingt und miteinander verbunden sind. Die Inflation kann durch Verschärfung von wirtschaftlichen Regeln (z.B. durch Erhöhung des Leitzinses und die strengere Überwachung der Banken) gemindert werden, und zum Stoppen der Deflation werden stärkere Maßnahmen vom Staat angefordert.

Mögliche Gegenmaßnahmen gegen eine Deflation

Dank der Erfahrung in der Deflationsbekämpfung in einigen Ländern werden heutzutage einige bewährte Verfahren zur Beeinflussung der Deflation verwendet.

Ein gängiges Verfahren ist die Verwendung der milden Geldpolitik. Die Zentralbank senkt die Zinssätze, um mit Hilfe von Kreditmitteln die Tätigkeit der Unternehmen zu beleben. Die Verbraucher nehmen auch mehr Darlehen auf, was die Nachfrage erhöht und die Warenpreise stabilisiert. Der Staat kann auch den Steuerdruck verringern und das Verkaufsvolumen von Staatspapieren erhöhen.

Menschliche Reaktion

Es ist sehr interessant, wie die Menschen die Preissenkung der Waren beeinflussen. Wenn der Preis für irgendwelche Ware um 3–5 % gesunken ist, beeilen sich die Menschen entgegen der allgemeinen Meinung nicht mit dem Kauf. Im Gegenteil geht die Konsumnachfrage zurück, weil die Bevölkerung auf den Moment wartet, in dem die Preise noch tiefer fallen.

Die Psychologen bezeichnen diese Erscheinung als Deflationsphänomen. Die menschliche Psyche funktioniert so, dass wir bis zum letzten Moment auf die Preissenkung warten und erst dann Einkäufe erledigen. Indem die Menschen den Mindestpreis erwarten, versäumen sie in der Regel den besten Zeitpunkt zum Schnäppchen.

Was ist die Inflation?

Die Inflation ist dem einfachen Preisanstieg nicht gleich. Unter Inflation versteht man eine solche Änderung der gesamten Preisniveaus (nicht für alle Waren, sondern im Ganzen), bei der das Geld an Wert und an ihre bisherige Kaufkraft verliert. Die Inflation wird mit dem sogenannten BIP-Deflator abgeschätzt, der das gesamte Preisniveau (am Beispiel des Warenkorbs ausschließlich der Importwaren) beschreibt. Dazu werden die Preise für das laufende Jahr und nicht für das Vorjahr verwendet. Die Monetaristen berechnen die Inflation (oder die Preissteigerungsrate) als Wachstumsrate der Geldmenge. Man unterscheidet auch offene und zurückgestaute (latente) Inflation unter den Bedingungen, wenn die Preise und deren Änderungen durch den Staat kontrolliert werden.

Arten der Inflation

Es gibt viele Arten der Inflation.

1. Hansen führte solche Arten wie offene und latente (unter staatlicher Kontrolle) Inflation ein.

2. Es gibt die Nachfrageinflation (Überschuss der Gesamtnachfrage im Verhältnis zum realen Produktionsvolumen) und Angebotsinflation (die Preise steigen wegen der Kostenerhöhung und der nicht vollständigen Ausnutzung von Produktionsressourcen).

3. Bei der bilanzierten Inflation ändern sich die Warenpreise nicht in Bezug aufeinander, es gib auch die nicht bilanzierte Inflation (die Preise für verschiedene Warengruppen ändern sich in verschiedenen Verhältnissen).

4. Die vorhersehbare Inflation ist von den Wirtschaftsteilnehmern erwartet, die nicht vorhersehbare Inflation ist unerwartet, die tatsächliche Preissteigerungsrate ist oft höher als erwartet.

5. Man unterscheidet die Inflationsarten auch nach der Wachstumsrate:

• schleichende bzw. gemäßigte – bis zu 10 % pro Jahr;

• galoppierende (10–50 %);

• Hyperinflation (von 50 % bis 1–9 Tsd., selten – 10 Tsd. und mehr Prozent pro Jahr).

Es ist interessant zu wissen, dass die Wirtschaftler eine geringe Inflation als ein Bestandteil der wirtschaftlichen Entwicklung erachten, der das Wirtschaftswachstum fördert. In der EU ist der durchschnittliche Wert nicht höher als 3–3,5 % pro Jahr.

Die ungewöhnliche Situation entsteht bei der Hyperinflation, weil die Gegenwirkung bei der Deckung von Staatsausgaben durch die Erhöhung der Geldmenge (Ausgabe von Geldzeichen) eintreten kann, und zwar der normale Wirtschaftsmechanismus steht still.

6. Die chronische Inflation mit dem Rückgang der Produktion wird als Stagflation bezeichnet.

Inflationsursachen

Man nennt mehrere Inflationsursachen: von Monopolen der Großunternehmen bis zum Wachstum der Staatsaugaben. Zu den häufigsten Ursachen gehören:

1. Die Staatsausgaben steigern oder entsprechen nicht dem Haushalt. In diesem Fall wird die Geldemission erhöht, die Geldmenge überschreitet die Bedürfnisse der Warenzirkulation.

2. Massenhafte Kreditgewährung, wenn die Ressourcen nicht aus Ersparnissen, sondern aus Emissionen erhoben werden.

3. Nicht ausreichende Sicherung der nationalen Währung.

4. Monopole: sowohl von Gewerkschaften (optimale Lohnhöhe ist unmöglich), als auch von Unternehmen, Betrieben (die Preise werden ohne Berücksichtigung der Marktsituation gebildet, was für die Grundstoffindustrie typisch ist).

5. Rückgang der nationalen Produktion bei der gleich gebliebenen Geldmenge. Auf das reduzierte Warenvolumen entfällt das bisherige Geldvolumen.

6. Abwertung der nationalen Währung bei der gleich gebliebenen Geldmenge.

7. Zu großer Devisenzufluss.

Folgen der Inflation

Die Inflation beeinflusst viele Bereiche und hat verschiedene Folgen:

Es gibt den Bewertungsunterschied von Geldbestand und Geldströmen. Das führt zur Abwertung von:

• Einlagen;

• Wertpapieren;

• Krediten;

• Kontensalden.

Die Geldemission führt zur Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation.

Es kommt zur Einkommensumverteilung. Die Inflationsfolgen spüren am stärksten

• Importeure von Waren;

• Verkäufer;

• Gläubiger;

• Zuschussbetriebe.

Die Gläubiger und Käufer sind im Vorteil. Durch Verbilligung der Waren und Fremdmittel entsteht der sogenannte Scheingewinn.

Die Rentabilität der Produktion und das BIP sinken.

Nach der Preissteigerung verschlechtert sich in der Regel der Wechselkurs der nationalen Währung.

Unter dieser Situation leiden Sparer, Endverbraucher und die schwächsten Bevölkerungsschichten.

Die armen Leute werden tatsächlich oft noch ärmer.

Die Inflation kann gleichzeitig die finanzielle Lage der Hersteller sowohl verschlechtern (die Preise steigen, und dadurch werden alle Kostenpositionen bei der Produktion vergrößert), als auch verbessern. Die zweite Variante ist möglich, wenn die Erzeugnisse ins Ausland geliefert und für den Endverbraucher preisgünstiger werden.

Es gibt noch eine mögliche Inflationsfolge – die sogenannte Inflationsspirale (die Selbstproduktion der Inflation, wenn die Inflationserwartungen die Preissteigerung fördern, und sie wiederum zur ungebremsten Nachfrage führt).

Die Inflation ist natürlich eine ziemlich unangenehme Erscheinung, die verschiedene Ursachen hat, aber deren Einfluss auf das Leben eines durchschnittlichen berufstätigen Menschen ist nicht so groß, wie es scheint. Wir hoffen, solche komplizierte wirtschaftliche Begriffe wie Inflation und Deflation und den Sinn dieser Erscheinungen in einfacher Sprache erklärt zu haben.